KI und die Evolution des Denkens: vom Erzählen zur Manipulation der Wirklichkeit

KI ist nur ein Zwischenschritt – das Eigentliche kommt erst.

Mich beschäftigt, wie sich unser Denken verändert (hat) – und das, was für uns Bedeutung hat

Am Anfang war Bedeutung etwas Lebendiges. Erzählungen am Feuer, Malereien an Wänden. Bedeutung war geteilt, erlebt – sie existierte nur, solange wir sie erinnerten.

Mit Steintafeln wurde Bedeutung fixiert. Sie lag plötzlich außerhalb von uns. Unverrückbar. Autoritär.

Papyrus und Papier machten Bedeutung beweglich. Sie wurde transportiert, abgeschrieben, verhandelbarer. Der Buchdruck sprengte dann jede Exklusivität und plötzlich konnte jeder an Wahrheit teilhaben.

Die Schreibmaschine beschleunigte das alles. Inhalt wurde wichtiger als Form. Bedeutung verlor Tiefe und gewann Tempo.

Computer nahmen uns das Endgültige. Nichts war mehr fest, alles jederzeit überschreibbar. Bedeutung wurde flüssig, vorläufig.

Heute erzeugt KI Wissen in Sekunden. Wir schaffen nicht mehr, wir kuratieren nur noch. Bedeutung wird berechnet, zusammengesetzt, skaliert.

Aber was, wenn das nur eine Zwischenstufe ist?

Der nächste Schritt könnte sein, dass wir nicht mehr im Jetzt leben, sondern nach simulierten Zukünften handeln. Wirklichkeitsemulation mit Vorhersagemodellen. Bedeutung entstünde dann aus Wahrscheinlichkeiten, bevor überhaupt etwas passiert ist.

Und vielleicht – irgendwann – werden wir Zeitlinien selbst verändern können. Dann wird nicht nur Zukunft geschrieben, sondern Vergangenheit gelöscht.

Was bleibt uns dann noch? Wer sind wir, wenn das, was uns geprägt hat, nie stattgefunden haben wird?

Vielleicht können wir das alles nicht aufhalten.
Aber wir können entscheiden, wie wir jetzt Bedeutung leben –
bevor sie uns irgendwann genommen oder neu geschrieben wird.

Bleib bei dem, was ist.
Mach daraus möglich, was ist.
Ich gehe mit Dir.

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