Übersehene Führungsfunktionen, die Komplexität meistern
In unsicheren Zeiten zeigt sich eine Form von Führung, die selten benannt wird, die aber für Organisationen überlebenswichtig ist. Ich meine Menschen, die ohne formale Autorität Organisation in Komplexität führen: lateral, transversal, systemisch.
Sie verbinden Bereiche, steuern Abhängigkeiten, entschärfen Konflikt- und Polarisierungslinien und schaffen Orientierung, wo Linienführung an ihre Grenzen stößt. Diese Art von Führung ist anspruchsvoller als klassische Hierarchie – und gleichzeitig ist sie häufig unsichtbar.
Diese Führungsform wirkt oft schon bevor Probleme sichtbar werden. Sie erzeugt aus sich Stabilität, bevor jemand merkt, dass der Kontext instabil war. Wertschöpfung wird möglich, ohne dass sich jemand fragt, warum es hier funktioniert und anderswo nicht.
Ich erlebe das in verschiedenen Organisationen und Kontexten: Menschen mit großer Reife und großem Einfluss erscheinen in keinem Organigramm. Sie halten ein System zusammen, indem sie Komplexität führen, oft ohne dazu eine Ausbildung oder ein Zertifikat zu haben. Sie sehen Muster früher, entscheiden klar, verknüpfen Perspektiven schneller. Häufig tragen sie Verantwortung, die in der Regel weit über ihrer formalen Rolle liegt. Das ist Führung. Nur eben nicht sichtbar kodiert.
Für Executives ist das ein entscheidender Punkt:
Wenn Sie diese Form von Führung nicht erkennen,
• verlieren Sie Ihre wichtigsten Knotenpunkte (insbesondere bei Personalabbau),
• unterschätzen Sie die Träger Ihrer Organisation,
• überlasten Sie gute Linienführung mit Aufgaben, die sie strukturell nicht leisten kann.
Sie wollen Bewusstsein dafür, wo im System Führung tatsächlich stattfindet, und wer sie faktisch übernimmt.
Nicht jeder, der führt, hat eine Führungsrolle. Und nicht jede Führungsrolle führt.
Gerade in schwierigen Zeiten stabilisieren diejenigen das Unternehmen, die lateral navigieren können:
ohne Titel, ohne Mandat, aber mit hoher Reife, Systemkompetenz und Entscheidungsfähigkeit.
