Cultural Stagnation: „Du & KI“ statt „KI first“

KÜrzlich habe ich beschrieben, was KI-Nutzung ohne hohes Nutzungsbewusstsein tut: Ich werde weniger kritisch und kann kreative Fähigkeiten weniger abrufen. Und voilá, ich stolpere gerade immer wieder, während ich diesen Text ohne KI schreibe.

Auf Business oder gesellschaftliche Ebene gechunked lernte ich heute den Begriff „Cultural Stagnation“: Die langsame Verflachung von Kreativität in gefühlten Einheitsbrei. Ich sage damit nicht „KI ist böse“. Die Maschine tut, was sie soll: Sie liefert das Wahrscheinlichste.

Das Problem ist, dass das Wahrscheinlichste per Definition das ist, was es schon tausendfach gibt. Die KI reproduziert die Mitte ihrer Trainingsdaten. Gleichzeitig füllen wir das Netz mit immer mehr KI-Erzeugtem, auf dem die nächste KI-Generation trainiert wird. Es ist ein systemischer Effekt. Wenn mich das Ganze nicht stört, gewöhnt sich unser Geschmack an genau diesen Inzucht-Ton, bis wir das Mittelmaß nicht mehr erkennen, weil es schon überall ist. Gleichzeitig ließt es sich dummerweise häufig brilliant.

Wer viel LinkedIn liest, weiß, wovon ich spreche. Derselbe Sprach-Rhythmus (kannst Du schon GPT von Claude unterscheiden?), dieselben Hook-Typen, dieselben drei Gedanken. Ich mag einige meiner eigenen, KI-unterstützten Posts vom letzten Jahr selbst nicht mehr lesen.

Ich finde es sehr wichtig, im KI-Thema vor allem bewusst voranzugehen, und diese Art von Erkenntnissen zu berücksichtigen. Alles, was Organisationen wertvoll macht, was uns wertvoll macht, lebt doch von Abweichung. Von einer eigenen Position, auch wenn diese manchmal schräg oder halbfertig ist. Ein eigener Ton und vor allem eigene Ideen, die nicht naheliegen.

Wenn ich meine gesamte Kommunikation, Strategiearbeit und Ideenfindung durch dieselben Werkzeuge schleuse wie alle anderen… was produziere ich dann damit? Das einzige Wort, das sitzt, ist „Beliebigkeit“.

Also geht es darum, den aufwändigeren Weg zu nehmen: Erst der eigene schräge Entwurf, dann die Maschine dagegentreten lassen. Quellen pflegen, die nicht jeder hat: Bücher, Gespräche, und bitte massig eigene Erfahrung. Und als Organisation: Abweichung schützen und fördern, anstatt über KI wegzuoptimieren.

Die merkwürdige Idee im Meeting darf kein Störgeräusch sein, sondern möglicherweise das Einzige, was unsvom Wettbewerb unterscheidet.

KI kann so vieles besser als wir. Viel besser. Auch Gleichförmigkeit, um den Begriff der Beliebigkeit ins Kinästhetische zu tragen.

Das Eigenartige bleibt unsere Aufgabe!

Vorschläge:

  • Sorge dafür, dass Dinge aus Dir heraus entstehen. Nicht gleich die KI anweisen „mach mal“.
  • Behalte Deinen Stil bei.
  • Setz der KI Grenzen. Nur ein Durchlauf zur Verbesserung, nicht sieben.
  • Und wenn doch, dann nimm Dir Zeit für gründliches Prompting, damit die KI Lücken möglichst nicht nur selbst füllt.

Wie fühlt sich ein ganze Arbeitstag ohne KI an? Für mich ist’s schon so ähnlich, wie ohne Smartphone aus dem Haus zu gehen.

#CulturalStagnation #KI #Kreativität #Führung

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